Home     DE |  EN
mfs - munichfabricstart - interview

Interviews Autumn // Winter 10|11

Tag 1: Interview mit Philipp Langer von it's organic

Nachhaltigkeit und Ökologie. Wo stehen wir eigentlich?

Wir fragen Philipp Langer. Der Inhaber vom deutschen Unternehmen it’s organic hat sich vor einigen Jahren mit Kopf und Herz der „grünen“ Mode verschrieben. Langer ist als Berater für Handels- und Industrieunternehmen tätig und entwickelt gesundheitlich unbedenkliche und umweltverträgliche Stoffe und Kollektionen.


munichfabricstart: Herr Langer, Sie widmen sich seit Jahren den ökologisch unbedenklichen Textilien und wirken als Bindeglied zwischen Vorstufe und Konfektion. Auf welche interessanten Entwicklungen können Einkäufer und Designer speziell bei den Textilien stoßen, wenn sie sich zum Beispiel im Forum organicselection by munichfabricstart in das Thema vertieft?
Philipp Langer: Organisch und nachhaltig ist in der Mode angekommen. Das Angebot ist deutlich gewachsen und die Aussage der Stoffe hat sich ständig verfeinert. Sie finden neben Organic Cotton heute auch Organic Wool und Organic Silk, Stoffe aus Recyclingmaterialien und besonders umweltverträgliche Techniken der Färbung und Ausrüstung.


munichfabricstart: Wie stehen aktuell die Chancen modisch anspruchsvolle Kollektionen
aufzustellen? Wo stoßen wir noch an die Grenzen?

Philipp Langer: Modisch anspruchsvoll bedeutet im Trend der Zeit zu sein; und das sind heute besonders Kleidungsstücke, die auf ihre Herkunft und Entstehung achten. Im Casualbereich sehe ich keine großen Einschränkungen beim Stoffangebot mehr, eher in der Konfektion. Raffinierte Wollgewebe sind kapitalintensiv und werden nicht ausreichend in der Bio-Variante nachgefragt.


munichfabricstart: Wie groß ist Ihrer Erfahrung nach die Bereitschaft von mittelständischen
Modefirmen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen?

Philipp Langer: Ich glaube, dass sich fast jedes Modeunternehmen mit dem Thema schon befasst hat. Viele der Verantwortlichen sind offen für ein “besseres, weil sauberes” Produkt. Höhere Einkaufspreise und verwässerte Begrifflichkeiten erhöhen die Hemmschwelle zum Einstieg. Das zunehmende Bewusstsein der Verbraucher belohnt diejenigen Hersteller, die sich konsequent dafür entschieden haben.


munichfabricstart: Wie sehr wird das Thema Ihrer Meinung nach in Zukunft in der Modeindustrie in die Breite gehen und in welcher Art und Weise?
Philipp Langer: Das Thema „saubere Bekleidung“ wird ein Teil der gesellschaftlichen Auseinander-setzung mit Missständen in der Welt bleiben, sowohl aus ökologischer als auch aus sozialer Hinsicht. Ich sehe das Marktsegment klar wachsen, in erster Linie bei Labels oder Konzernen, die sich klar bekennen und entsprechend konsequent handeln und auch kommunizieren. Organic ist ein klarer Marketingvorsprung. Den Weg haben bereits die Bio-Lebensmittel erfolgreich geebnet.


» www.its-organic.de


Tag 2: Interview mit Jo Baumgartner, fashion expert at munichfabricstart

Welche Denimthemen sind wirklich „heiß“?

Jo Baumgartner: „Für mich sind das Farben wie kalte, dunkle Töne in Stahlblau, Zinkgrau und leicht angegraute Schwarznuancen, die an alte Fabrikanlagen erinnern. Sportiver sind sicher authentische Farben aus silbernen Glanzelementen und mattem Bronze wie man sie vom Schlagzeugequipment, von den Trommeln, Becken und Hi-hats kennt, am besten in Kombination mit den Farben von Gitarrensaiten, so dass sich ein spannendes, sonores Farbspiel ergibt. Bei den Qualitäten ist zum Beispiel robuster Canvas richtig gut, der an stabile Schlagzeugtaschen erinnert. Oder aber lederartige Coatings, die den Look von abgerockten Lederhosen aufgreifen. Femininer präsentieren sich helle Denimwaschungen in winterlichen Gewichten. Schön sind intensive Indigotöne, die an das originale „Bleu de Nîmes“ erinnern.“



Tag 2: Interview mit Ben Harris, Direktor von Mudpie Ltd., London

Die Kidswear wird mehr denn je von den Medien beeinflusst. Dies und noch mehr weiß
Ben Harris, Direktor von Mudpie Ltd., London, der für uns das Szenario skizzierte, in dem
sich die Kindermode im nächsten Winter behaupten muss. Die Agentur, deren Trendbücher über mode….information vertrieben werden, entwickelte auch zusammen mit der munichfabricstart pre collections das Trendthema „Milky Way“ für die Kidswear, das den Forschergeist der Jüngsten betont.


munichfabricstart: Worüber erneuert sich die Kidswear zum Herbst/Winter 2010/2011 maßgeblich?
Ben Harris: Die gesellschaftliche Kultur wird durch viele Faktoren einschließlich neuer Lebens-stilmodelle, neuer Konsumentengruppen und den technologischen Fortschritt beeinflusst.
Zum Winter 2010/2011 zeigt unser Escapismus-Trendthema die Popularität von Performance Art über alle Altersgruppen hinweg mit der Frivolität und der Schrulligkeit von Theater, Zirkus und Tanz, die Grafisches ebenso wie die Bekleidung beeinflussen.
„Cleanse“ dagegen erforscht eine neue Art des familiären Lebens: eine Zukunft für die Kinder, die ökologisches Leben, technologischen Fortschritt und unser Weltraumzeitalter umfasst. Für Kinder ist die Technologie ein ganz wesentlicher Bestandteil ihres Lebens und wird es in den nächsten Jahren auch bleiben. Das schnelle Wachstum der Jugend in den hispanischen Konsumentenmärkten wie Zentral- und Südamerika treibt die Welt voran und beeinflusst alles vom Design über die Medien bis hin zur Mode. Die Erforschung von weit entfernt liegenden Kulturen wie in Südamerika beeinflusst daher unser lebendiges, farbenfrohes Trendthema „Origin“, das Ikonografie und das dekorative Kunsthandwerk mit der modernen südamerikanischen Kultur verbindet.


munichfabricstart: Welche sozialen Einflüsse bewegen die Kidswear in diesen Tagen?
Ben Harris: Sich wandelnde und aufkommende Ökonomien, soziale und politische Veränderungen und Einflüsse bilden das grobe Szenario. Daneben sind es vor allem die Medien, die auf niedrigerer Ebene weiterhin einen massiven Einfluss auf die Kinder ausüben. Starke Serien wie High School Musical oder Hanna Montana bieten die Rolle als Modell, als Sportheroe und den Stil von einflussreichen und trendigen Popbands. Das Aufkommen von schneller und billiger Mode und die Looks der Celebrities sind innerhalb von Wochen für wenig Geld in den Läden. Der Wunsch „ins Bild zu passen“ ist auch der Schlüssel zu den Kindern, deren Peer Groups einen erheblichen Einfluss ausüben. Soziale Netzwerke wie die Community-Websites Facebook, Bebo oder My Space urteilen über ihren letzten Look, fördern das persönliche „Branding“, sind online für Jedermann zu sehen und transportieren damit ein „Online Image“, das sich oft als genauso wichtig wie die Realität erweist. Minigruppen entstehen innerhalb von Freundeskreisen mit ähnlichen Interessen, deren signifikantes Merkmal der Dresscode ist.


Zur Person:
Ben Harris kam 2000 als Designer zu Mudpie, wurde 2004 zum Direktor berufen und ist heute Sales Director.



Kontakt
Impressum
Sitemap