munichfabricstart: Herr Langer, Sie widmen sich seit Jahren den ökologisch
unbedenklichen Textilien und wirken als Bindeglied zwischen Vorstufe und Konfektion.
Auf welche interessanten Entwicklungen können Einkäufer und Designer speziell bei
den Textilien stoßen, wenn sie sich zum Beispiel im Forum organicselection by munichfabricstart in das Thema vertieft?
Philipp Langer: Organisch und nachhaltig ist in der Mode angekommen. Das Angebot
ist deutlich gewachsen und die Aussage der Stoffe hat sich ständig verfeinert.
Sie finden neben Organic Cotton heute auch Organic Wool und Organic Silk, Stoffe
aus Recyclingmaterialien und besonders umweltverträgliche Techniken der Färbung
und Ausrüstung.
munichfabricstart: Wie stehen aktuell die Chancen modisch anspruchsvolle Kollektionen
aufzustellen? Wo stoßen wir noch an die Grenzen?
Philipp Langer: Modisch anspruchsvoll bedeutet im Trend der Zeit zu sein; und
das sind heute besonders Kleidungsstücke, die auf ihre Herkunft und Entstehung
achten. Im Casualbereich sehe ich keine großen Einschränkungen beim Stoffangebot
mehr, eher in der Konfektion. Raffinierte Wollgewebe sind kapitalintensiv und
werden nicht ausreichend in der Bio-Variante nachgefragt.
munichfabricstart: Wie groß ist Ihrer Erfahrung nach die Bereitschaft von mittelständischen
Modefirmen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen?
Philipp Langer: Ich glaube, dass sich fast jedes Modeunternehmen mit dem Thema
schon befasst hat. Viele der Verantwortlichen sind offen für ein “besseres, weil sauberes” Produkt. Höhere Einkaufspreise und verwässerte Begrifflichkeiten erhöhen
die Hemmschwelle zum Einstieg. Das zunehmende Bewusstsein der Verbraucher
belohnt diejenigen Hersteller, die sich konsequent dafür entschieden haben.
munichfabricstart: Wie sehr wird das Thema Ihrer Meinung nach in Zukunft in der
Modeindustrie in die Breite gehen und in welcher Art und Weise?
Philipp Langer: Das Thema „saubere Bekleidung“ wird ein Teil der gesellschaftlichen
Auseinander-setzung mit Missständen in der Welt bleiben, sowohl aus ökologischer
als auch aus sozialer Hinsicht. Ich sehe das Marktsegment klar wachsen, in
erster Linie bei Labels oder Konzernen, die sich klar bekennen und entsprechend
konsequent handeln und auch kommunizieren. Organic ist ein klarer Marketingvorsprung.
Den Weg haben bereits die Bio-Lebensmittel erfolgreich geebnet.
Jo Baumgartner: „Für mich sind das Farben wie kalte, dunkle Töne in Stahlblau, Zinkgrau und leicht angegraute Schwarznuancen, die an alte Fabrikanlagen erinnern. Sportiver sind sicher authentische Farben aus silbernen Glanzelementen und mattem Bronze wie man sie vom Schlagzeugequipment, von den Trommeln, Becken und Hi-hats kennt, am besten in Kombination mit den Farben von Gitarrensaiten, so dass sich ein spannendes, sonores Farbspiel ergibt. Bei den Qualitäten ist zum Beispiel robuster Canvas richtig gut, der an stabile Schlagzeugtaschen erinnert. Oder aber lederartige Coatings, die den Look von abgerockten Lederhosen aufgreifen. Femininer präsentieren sich helle Denimwaschungen in winterlichen Gewichten. Schön sind intensive Indigotöne, die an das originale „Bleu de Nîmes“ erinnern.“
munichfabricstart: Worüber erneuert sich die Kidswear zum
Herbst/Winter 2010/2011 maßgeblich?
Ben Harris: Die gesellschaftliche Kultur wird durch viele
Faktoren einschließlich neuer Lebens-stilmodelle, neuer
Konsumentengruppen und den technologischen Fortschritt
beeinflusst.
Zum Winter 2010/2011 zeigt unser Escapismus-Trendthema die Popularität von Performance Art über alle
Altersgruppen hinweg mit der Frivolität und der Schrulligkeit
von Theater, Zirkus und Tanz, die Grafisches ebenso wie die
Bekleidung beeinflussen.
„Cleanse“ dagegen erforscht eine
neue Art des familiären Lebens: eine Zukunft für die Kinder,
die ökologisches Leben, technologischen Fortschritt und unser
Weltraumzeitalter umfasst. Für Kinder ist die Technologie
ein ganz wesentlicher Bestandteil ihres Lebens und wird es
in den nächsten Jahren auch bleiben. Das schnelle Wachstum
der Jugend in den hispanischen Konsumentenmärkten
wie Zentral- und Südamerika treibt die Welt voran und beeinflusst
alles vom Design über die Medien bis hin zur Mode.
Die Erforschung von weit entfernt liegenden Kulturen wie in
Südamerika beeinflusst daher unser lebendiges, farbenfrohes
Trendthema „Origin“, das Ikonografie und das dekorative
Kunsthandwerk mit der modernen südamerikanischen Kultur
verbindet.
munichfabricstart: Welche sozialen Einflüsse bewegen die
Kidswear in diesen Tagen?
Ben Harris: Sich wandelnde und aufkommende Ökonomien,
soziale und politische Veränderungen und Einflüsse bilden
das grobe Szenario. Daneben sind es vor allem die Medien,
die auf niedrigerer Ebene weiterhin einen massiven Einfluss
auf die Kinder ausüben. Starke Serien wie High School Musical
oder Hanna Montana bieten die Rolle als Modell, als
Sportheroe und den Stil von einflussreichen und trendigen
Popbands. Das Aufkommen von schneller und billiger Mode
und die Looks der Celebrities sind innerhalb von Wochen für
wenig Geld in den Läden. Der Wunsch „ins Bild zu passen“
ist auch der Schlüssel zu den Kindern, deren Peer Groups
einen erheblichen Einfluss ausüben. Soziale Netzwerke wie
die Community-Websites Facebook, Bebo oder My Space
urteilen über ihren letzten Look, fördern das persönliche
„Branding“, sind online für Jedermann zu sehen und transportieren
damit ein „Online Image“, das sich oft als genauso
wichtig wie die Realität erweist. Minigruppen entstehen innerhalb
von Freundeskreisen mit ähnlichen Interessen, deren
signifikantes Merkmal der Dresscode ist.
Zur Person:
Ben Harris kam 2000 als Designer zu Mudpie, wurde 2004
zum Direktor berufen und ist heute Sales Director.